Der Kumpen oder wie macht man aus dem Frosch einen Prinzen?

Ich schlug meinen Gesprächspartnerinnen einige Varianten vor: Wie wäre es mit einer Begrünung? Mit freundlich anmutenden Geranienkästen vor den Fenstern des Rathauses, mit bunten Blumenkästen auf dem Platz?

An die Stelle der ehemaligen Pferdetränke mitten auf dem Platz hat man einen Märchenbrunnen gesetzt, der Marstall beherbergt im vorderen Teil ein kleines Theater, das Schloss ist musealisiert, im Rathaus weiß man nicht zu feiern.


Lediglich zwei Stände seien von dem einstmals lebendigen Wochenmarkt am Kumpen übriggeblieben und der Gasthof im ehemaligen Burgmannenhaus würde abends geschlossen bleiben. Mit diesen Sätzen wurde mir die Situation am Kumpen von vielen Steinauern voller Trauer beschrieben.

Der Steinauer Wochenmarkt - Relikt oder goldene Zukunft?


Anlässlich der Wiederöffnung des Restaurants Burgmannenhaus am Nachmittag des 10. März wollte ich mir ein eigenes Bild machen und traf auf zwei Marktfrauen, die trotz Regen und Kälte ihre Wagen öffneten und in den Auslagen Würste und Brote aus der Region anboten. Nach und nach kamen auch Kunden vorbei. Ganz offensichtlich alles Stammkunden – ein Paar war sogar eigens aus Gelnhausen angereist. Frau  Müller aus Hintersteinau ist erkennbar eine Institution: kein Kauf vollzog sich anonym oder ohne Gespräch, und ihre Skepsis in Bezug auf die Zukunft des Steinauer Wochenmarktes tat ihrer Kommunikationsbereitschaft keinen Abbruch. Bald kam auch der alte  Herr Herber hinzu, der nicht zögerte, aus seiner Sicht den sterbenden Einzelhandel in der Altstadt zu kommentieren. Und dann fand doch noch das statt, was man sich von einem Wochenmarkt in der Stadt erhofft: Freunde und Bekannte zu treffen, sich über Gott und die Welt auszutauschen und mit dem Gefühl, frische und qualitativ gute Produkte aus der Region gekauft zu haben, wieder nach Hause zurück zu kehren.


Nein, man braucht keinen Viktualienmarkt, keinen Nasch-Markt, keine Klein-Markt-Halle in Steinau, aber einen Wochenmarkt, der nicht Konkurrenz, sondern Ergänzung für die letzte Bäckerei, den letzten Metzger, den einzigen Supermarkt in der Altstadt darstellt, einen Wochenmarkt, der seinen Namen verdient . So wie in den 1960er Jahren sollte der Kumpen möglichst zweimal in der Woche voll mit fröhlichem Markttreiben sein. Dann würde auch der Katharinenmarkt wieder zu einem richtigen Stadtfest werden, der in die Adventszeit einleitet und in den träumerischen Weihnachtsmarkt mündet.. Aber, was nützt das Träumen, wenn, und hier zitiere ich einige Marktbesucher, „die Steinauer nicht kaufen wollen“?
Womit anfangen?

Was können wir verändern, wie beleben wir den Kumpen?


Ich denke, zuallererst muss eine öffentliche Diskussion angestoßen werden, an deren Ende ein Projekt steht, an dem sich nicht nur Bürgermeister, Stadtverwaltung und Stadtverordnete  beteiligen, sondern auch Vereine und einzelne Bürger*innen  ihre eigenen Interessen formulieren und einbringen. Danach müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden: An den Markttagen sollte der öffentliche Verkehr und das öffentliche Parken auf dem gesamten Platz verboten sein. Darüber hinaus müsste die Standgebühr zumindest zu Beginn des Projekts auf eine symbolische, lediglich kostendeckende Zahlung minimiert werden. Die Auswahl der Stände könnte dann durch ein entsprechendes Statut geregelt werden (Stichwort: Markt-Meister).
Eine solcherart erfolgreiche Belebung des zentralen Stadt-Platzes vor dem Rathaus würde eindrucksvoll die bürgerliche Autonomie, die Freiheit der Stadt, unterstreichen. Regionalen Selbstvermarktern würde man die Chance eröffnen, sich auch wieder mittendrin, als ein nicht unwesentlicher Teil des städtischen Lebens, zu empfinden.
Mittendrin ist auch das Burgmannenhaus. Adel verpflichtet und so scheint sich der Gasthof mit fünf Zimmern und Restaurant auf Wildgerichte zu spezialisieren und damit an die höfische Tradition der Hanauer Grafen anzuknüpfen, die einstmals nach Steinau kamen, um vor allem Jagdfeste zu feiern.

Anregende Gespräche im Burgmannenhaus: auch kleine Veränderungen vermögen Großes!


Auch im Burgmannenhaus wurde ich freundlich empfangen. Die Gaststube war schon gut mit älteren  Damen besetzt, die sich auf Kaffee und Kuchen für einen guten Zweck freuten. Auf meine Frage, was man sich seitens der Stadt denn wünschen würde, wies man ganz konkret auf die abschreckend hässlichen Abfalleimer und die unterlassene Reparatur der Brunnenbeleuchtung hin und beklagte allgemein die Gestaltung des Kumpens, dem die einladende Atmosphäre fehle. Offenbar tut man sich schwer mit der gesuchten Monumentalität des Platzes, der ursprünglich mehreren Funktionen gerecht werden musste: Vorplatz für das Schloss und für die Kirche, Tränke für die Pferde und Marktplatz vor dem Rathaus.


Ich schlug meinen Gesprächspartnerinnen einige Varianten vor: Wie wäre es mit einer Begrünung? Mit freundlich anmutenden Geranienkästen vor den Fenstern des Rathauses, mit bunten Blumenkästen auf dem Platz? Ich provozierte am Ende sogar mit dem Vorschlag, eine mächtige Dorflinde neben den Märchenbrunnen zu setzen. Aber soweit wollte man bei der Verschönerung des Platzes dann doch nicht gehen, der dörfliche Ursprung sollte dann doch nicht allzu anschaulich gemacht werden.

Vorhandenes stärken, Fehlendes ergänzen: das Herz der Stadt zurück gewinnen


Ich denke, der Biergarten des Burgmannenhauses samt Kastanie weist schon in die richtige Richtung. Vielleicht könnte für eine lebendige Platzgestaltung abends auch das Theatrium im Sommer ein paar Tische  nach der Vorstellung vor den Eingang aufstellen. Weiteres wird sich finden, wenn die Sanierung des Marstalls fertiggestellt sein wird und man für die zusätzlichen Räumlichkeiten eine lebendige Nutzung findet. Auf jeden Fall sollte der Kumpen wieder mehr das sein, was er situativ ist: das Herz der Stadt, auf dem man einkauft, sich trifft und miteinander feiert.

 

Man sieht eine Detailaufnahme des Brunnens am Rathaus von Steinau

Steinau wiederbeleben - ein richtiges und wichtiges Grundziel!