Ein Sommer ohne Freibad ist kein Sommer

Die Ausgangslage in Steinau ist im Sommer 2020 zwar etwas kompliziert – aber: wo ein Wille ist, findet sich auch ein Weg!

Seit jeher beginnt in Hessen die Freibad-Saison eigentlich ab Anfang Mai. Die Corona-Pandemie aber zeigt uns gegenwärtig in vielen alltäglichen Bereichen, dass das ,Selbstverständliche‘ alles andere als selbstverständlich ist. Sowohl Schwimmbäder als auch Badeseen sind augenblicklich noch immer für den normalen Publikumsverkehr gesperrt. Damit  will man der Entstehung neuer lokaler Hotspots vorbeugen, eine neue, unkontrollierte und nicht nachverfolgbare Verbreitung von Covid19 verhindern.
Immerhin beurteilt man die Lage mittlerweile so positiv, dass wenigstens die Mitglieder von Schwimmvereinen ab dem 1. Juni in Hessen wieder im Wasser trainieren können. Der zuständige Fachminister Peter Beuth kündigte sogar an, dass die öffentlichen Schwimmbäder „unter Beachtung der im Sport vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln“ für Schwimmvereine  ab dem 20.Mai wieder öffnen – . auch Schwimmkurse dürfen dann wieder stattfinden.

Das sollte uns aber nicht reichen! Schwimmbäder dienen nicht nur den Schwimmvereinen, sondern sind seit nahezu einem Jahrhundert ein Stück Sommer-Kultur und Freiheit, an die wir wohl alle ziemlich verklärte Jugenderinnerungen haben .
In den 1950/60er Jahren schossen öffentliche Freibäder wie Pilze aus dem Boden, deren großzügige Ausstattung mit Liegewiesen, Sportflächen, Kinderspielbereichen, Kiosken und sogar kleinen Restaurants waren Statussymbole der neuen, wirtschaftlich florierenden Kommunen.
Unsere Schwimmbäder sind an heißen Sommertagen die Treffpunkte schlechthin, für Jung und Alt. Über den Spaßfaktor hinaus sind die kommunalen Schwimmbäder aber auch existenziell wichtig für die Schwimmkompetenz unserer Jüngsten. Nicht umsonst hat die DLRG im Dezember vergangenen Jahres eine Petition mit 120.000 Unterschriften an den Bundestag für einen Stopp der unzähligen Schwimmbadschließungen durch finanziell leidende Kommunen eingereicht und betont, dass Schwimmbäder auch für die Bundesländer, ein Teil der Daseinsvorsorge darstellen.

So wirkt es in mehrfacher Hinsicht beruhigend, zu hören, dass die Landesregierung die Öffnung der Schwimmbäder und Badeseen in Hessen für die Allgemeinheit im Blick hat und dies bis Mitte Juni dann auch definitiv entscheiden will.
Natürlich wird es Beschränkungen und neue Regeln geben. Die Modelle dafür sind in NRW schon entwickelt worden, und werden in Aachen, Köln, Bonn und in anderen Städten des Landes seit gestern angewandt: Man kann nicht einfach zum Kassenhäuschen kommen, sondern muss für sich vorher per Internet ein E-Ticket erwerben. Die Verweildauer wird unterschiedlich gehandhabt, mal kann man unbegrenzt den ganzen Tag im Bad verbringen, mal gelten die Tickets nur für ein bestimmtes Zeitfenster. Ausgefeilte und durchaus aufwändige Hygiene-Konzepte ergänzen die üblichen Abstandsregelungen.

Schwimmbadbenutzung wird also, sobald sie überhaupt von der hessischen Landesregierung freigegeben wird, auch für Steinau mit ziemlich vielen Restriktionen verbunden werden sein und das gewohnte Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit ein Stück weit vermissen lassen. Vermutlich entstehen auch Mehrkosten durch einen größeren Personalbedarf für Desinfektions-Routinen und Kontrolle der Einhaltung der Regeln. Anstelle neue Steuern zu oktroyieren oder die Gebühren drastisch zu erhöhen, denke ich an freiwillige Unterstützung. Wie wäre es mit einer Art „Sponsoren-Ticket“ für das Schwimmbad am Steines (wäre durchaus ja auch Zukunftsmusik für das Ulmbacher Freibad) Also ein Schwimmbad-Ticket, für das man freiwillig etwas mehr bezahlt, weil man damit den Fortbestand eines Badevergnügens in Steinau mit garantiert. Wir kennen das ja schon vom Bändchen-Verkauf für den Faschingsumzug. Was für Fasching ganz gut funktioniert, könnte doch auch im Sommer interessant sein. Daneben könnten wir in der heimischen Wirtschaft Tages-, Wochen-, Saison Sponsoren für jede der 50 m-Bahnen, für die Rutsche, für das Kinderbecken, für die Plattform, für den Sprungturm etc. finden, die sich jeweils auf einer Tafel vor Ort präsentieren dürfen. Als Projektwoche kurz vor oder vielleicht sogar während der Sommer-Ferien könnte man höhere Schulklassen und Jugendgruppen – bei aller gebotenen Abstands-Vorsicht – bei Arbeiten im Bad die verschiedenen chemischen Möglichkeiten von Reinigung und Desinfektion im Praxistest „experimentieren“ lassen, was letztlich viel spannender gestaltet werden kann, als es sich zunächst anhört, und gleichzeitig auch Verantwortung lehrt und die städtische Kasse entlastet. Wie immer ist etwas bürgerlicher Gemeinsinn und Kreativität gefragt, und vielleicht sollten wir 7 Bürgermeisterkandidaten damit einfach mal an einem Wochenende mit gutem Beispiel vorangehen und mit anpacken, sei es beim Rasenmähen oder Reinigen oder sonstigen Instandsetzungsarbeiten, um damit die fest Angestellten für die Zusatzaufgaben frei zu stellen.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – wo er fehlt gibt’s viele Ausreden.