„Einmal noch für Euch“ - Nein: bitte viele Male noch für uns!

Der Steinauer Fastnachtsumzug stolpert und wankt schon seit Jahren – aber (ent-)fallen wird er nicht!

Die 500 Jahre alte Warnung vor einer närrischen Gottvergessenheit „Fresserei, Hochmut, Unkeuschheit, Narrheit, dadurch Gott gantz wirt vergessen“ gibt es schon längst nicht mehr. Ebenso wenig die Androhung von Exkommunikation oder das Verbot  Martin Luthers, der dieses „Teuffels-Fest“ wegen seiner Zügellosigkeit und derben Entartungen einfach verboten hatte, und die Fastenzeit danach gleich mit.

Woher kommt der Karneval?

Was sich die Adeligen in prachtvollen Kostümen auf sündhaft teuren Karnevalsbällen in ihren Residenzen leisteten, wollte das Volk auch. Es hatte keine Schlösser, aber ihm gehörte die Straßen, und dort amüsierten sich bald die Handwerks- Zünfte und das Bürgertum genauso fröhlich und ausschweifend. Der städtische Straßenkarneval war geboren, man feierte und trank miteinander, schlug närrisch über die Stränge des normalen Alltags und nahm die Obrigkeit mit allerlei grober Kritik gemeinsam auf die Schippe, und zwar oft so derb und heftig, dass vielerorts die Fastnachts-Umzüge als Gefährdung befunden und kurzerhand verboten wurden. Heute, da in demokratischen Systemen das Volk selbst der Souverän ist, geht es in den Sitzungen und Umzügen der Fünften Jahreszeit darum, seine politischen Repräsentanten durch den Kakao zu ziehen und sich selbst auf den Arm zu nehmen, und das heißt unbekümmert lachend Selbstkritik zu üben.

Der Kranveal ist bürgerliches Brauchtum

Nach wie vor sind die närrischen Rituale ein wichtiger Bestandteil des städtischen, bürgerlichen Brauchtums. Der Steinauer Fastnachtsumzug mit hunderten von Teilnehmern, mit Motivwagen, Blaskapellen, bunt kostümierten Fußgruppen, der sich alljährlich, von tausenden Menschen ausgelassen empfangen und bejubelt, durch die Straßen schlängelt und im Sturm auf das Rathaus und einer gemeinsamen Feier auf dem Kumpen gipfelt, ist für Jung und Alt von nah und fern ein lang ersehnter erster Höhepunkt des Jahres. Für eine kurze Zeit entlastet vom Alltag trifft man sich auf der Straße, feiert, trinkt, singt und lästert miteinander. Dieses wohltuende Empfinden von fröhlicher, unbeschwerter Gemeinsamkeit, auch das macht eine Stadt zur Heimat.

Fasching feiern ist Tradition -

aber Respekt und Rücksichtnahme gehört dennoch dazu!

Die Fastnacht ist die Zeit eines gesellschaftlich gebilligten Ausnahmezustands. Mit dem Schlüpfen in ein Kostüm, mit dem Sich-Verstecken hinter einer Maske, darf man Dinge tun, die man sonst nie tun würde. Leider verstehen einige immer wieder das Über-die Stränge-Schlagen-Dürfen falsch, können mit Freiheit nicht umgehen, missverstehen die Straßen als großen Abfalleimer, bepinkeln die Hauswände und ziehen völlig betrunken und enthemmt randalierend durch die Stadt. Aber aus meiner Sicht ist es hier wie mit vielen Dingen im Leben: wir sollten den Teufel nicht mit dem Beelzebub austreiben, das heißt, wir sollten wegen der Auswüchse einiger Weniger nicht unsere kulturellen Gemeinsamkeiten abschaffen.

Übernehmen wir als Bürger einfach auch an Fastnacht die Verantwortung für diejenigen, denen ihre Selbstkontrolle zu entgleiten droht, wir alle sind doch Steinau.

Sollte ich  Bürgermeister werden, werde ich Verantwortung auch für den Fastnachtsumzug übernehmen. Ich halte ihn als Ausdruck bürgerlicher Kultur und städtischer Gemeinsamkeit sowie darüber hinaus auch als touristische Attraktion für so wichtig, dass ich mich für seinen Fortbestand auch jenseits der Amtsgeschäfte persönlich engagieren werde.

In diesem Sinne schicke ich allen Feiernden ein donnerndes Helau und freue mich auf den Umzug.

Zu sehen ist der Kumpen, Steinaus Marktplatz mit vielen bunt gekleideten Menschen. Sie feiern und tanzen gemeinsam.

Die Fünfte Jahreszeit wurde auch dieses Jahr wieder mit bunten Kostümen, vielen Karamellen und lauter Musik gefeiert. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir auch in den nächsten Jahren gemeinsam Fasching feiern können.