Früher war Eisenbahnbau das Symbol für Fortschritt …

Ich bin der Meinung, dass das mit allen rechtlich adäquaten Mitteln verhindert werden muss, um zumindest eine Einhausung und Überführung dieser Abschnitte zu erreichen. Irritierend ist auch, dass man weder im Internet, noch aus dem Vorzeige-Video erfährt, inwieweit die Kinzigtalsperre im Süd-Westen von der Streckenplanung betroffen ist oder nicht.

Das Überflug-Video der Deutschen Bahn – zu sehen auf You-Tube – schönt wie eine Hochglanz-Broschüre eigensüchtiger Investoren das Projekt der geplanten Neubau-Schnellfahrstrecke Hanau-Fulda und verharmlost deren Auswirkungen auf die Menschen und die Natur.  Eine Verringerung der Lärmbelastung wird schon wegen der Vermehrung des Güterverkehrs nicht stattfinden, und die in Aussicht gestellte Verbesserung der regionalen Verbindungen bleibt völlig unausgesprochen, und damit vage – von der Belastung der gesamten Region durch die jahrelangen Bauarbeiten ganz zu schweigen.


Der bisherige Widerstand der Steinauer hat immerhin zu einer Veränderung früherer Trassenplanungen geführt. In diesem Zusammenhang bleibt es für mich unverständlich, warum gerade südlich unserer Stadt eine oberirdische Führung hingenommen werden muss, genauso wie die am Bellinger Berg, der die Stadtteilgemeinde abtrennt. Dabei bieten sich gerade diese Flächen für eine zukünftige urbane Erweiterung an, die durch die ICE-Trassenführung wenn nicht verunmöglicht, zumindest aber massiv erschwert wird.

Im Norden durch Bestandsstrecke und Autobahn abgeschnürt berücksichtigt diese oberirdische Trassenführung im Süden zwar den gegenwärtigen Bestand, verbaut aber zugleich die Zukunft der Stadt.
Ich bin der Meinung, dass das mit allen rechtlich adäquaten Mitteln verhindert werden muss, um zumindest eine Einhausung und Überführung dieser Abschnitte zu erreichen. Irritierend ist auch, dass man weder im Internet, noch aus dem Vorzeige-Video erfährt, inwieweit die Kinzigtalsperre im Süd-Westen von der Streckenplanung betroffen ist oder nicht.

UPDATE VOM 26.5.2020

Am 26. Mai gab die Deutsche Bahn den Bürgern des oberen Kinzigtals ab 19 Uhr Gelegenheit online Fragen an die Projektleitung der Neubau-SFS Gelnhausen-Fulda zu stellen. Ich berichte gern darüber, denn ich habe mich nicht nur eingeloggt, sondern natürlich auch Fragen gestellt, denn, unbestritten hinsichtlich der Notwendigkeit eines Ausbaus der Bestandsstrecke hat das Projekt einer zusätzlichen neuen Bahnstrecke Auswirkungen nicht nur auf den gegenwärtigen Status Quo der durch die nunmehr bevorzugte Streckenführungsvariante IV tangierten Städte des Kinzigtals, sondern vor allem auch für deren Zukunft.

Eine Verharmlosung des Projekts seitens der Deutschen Bahn war selbstverständlich zu erwarten, überrascht und am Ende empört hat mich dennoch die Strategie der Diskursführung: nach einer langweiligen, mehr als halbstündigen Selbstdarstellung der Projektleitung folgte die Fragestunde; man konnte in der Sidebar sichtbar schriftlich Meinungen äußern und Fragen stellen, die dann redaktionell gruppiert dem Projektleiter zur Beantwortung vorgetragen wurden. Dem Modell „good boy – bad boy“ folgend, hatte man allerdings in die Gruppe der Fragen stellenden Bürger „Vasallen“ der Projektleitung platziert, die auf kritische Fragen sofort aggressiv reagierte und den jeweilig Fragenden sofort zu disqualifizieren, ja herabzuwürdigen suchten, und im Übrigen, im Gegensatz zu mir, anonym auftraten. Der offizielle Vertreter der Bahn konnte sich dementsprechend darauf beschränken, diplomatisch gelassen auf ausgewählte Fragen einzugehen.

Für Steinau stellte sich nicht nur für mich natürlich die Frage nach der Begründung zweier kurzer oberirdischer Streckenabschnitte. Wenig plausibel erscheint der Hinweis auf die Notwendigkeit der Unterbrechungen der Tunnelführung für kurze Rettungswege bei eventuellen Unfällen. Man ist bei der Planung, wie es scheint, einfach nur vom vorgegebenen Landschaftsprofil ausgegangen und die Senken einfach genutzt, ohne über eine Einhausung nachzudenken. Aber nicht nur ich, sondern auch der eine oder andere Mitbewerber sehen Steinaus Zukunft nicht in der Bewahrung des Status Quo, sondern im Gegenteil in einem deutlichen Wachstum der Einwohnerzahl. Wohin aber kann sich die Kernstadt noch entwickeln, wenn sie nun auch im Süden und Osten durch die oberirdische Streckenführung der ICE-Trasse, definitiv begrenzt wird? Es macht mich wirklich traurig festzustellen, dass man die Steinauer Bürger auf dezentral angesiedelte Pendler-Gruppen reduziert, die man dadurch ködert, dass, völlig vage, eine Verbesserung der regionalen Verbindungen in Aussicht gestellt wird. Wie wär‘s denn mit einem Haltepunkt der ICE’s z.B. in Schlüchtern? Spaß beiseite, ich denke jedoch, dass Steinau sich seine Zukunft nicht im Vorfeld verbauen lassen darf und ohne prinzipiell gegen das Projekt zu sein („Keine ICE-Trasse im Kinzigtal“) auf eine prinzipiell geringst mögliche Belastung seiner Bürger und zumindest auf die Einhausung der oberirdisch geführten Strecken-Abschnitte besteht. Die Verhandlungen mit der Projektleitung sollten unbedingt mit den Nachbar-Kommunen koordiniert werden. Es drängt sehr, da das Raumordnungsverfahren des Regierungspräsidiums eine Einspruchsfrist bis Ende September des Jahres festgesetzt hat!

Darüber hinaus sollte man zusammen mit Schlüchtern und speziell mit Niederzell die zu erwartende Lärmbelastung durch die gewaltige Brücke thematisieren. Ich denke, man kann die bereits existierenden Bürger-Initiativen mit diesem Thema nicht allein lassen, sondern sollte unsere Einwände klar artikulieren, mit den ebenfalls betroffenen Nachbargemeinden kooperieren und unseren Interessen somit eine deutlich vernehmbare Stimme verschaffen.