Gedanken zur Bürgergemeinde

Die Zusatzbezeichnung „an der Straße“, bedeutet nicht, dass man an Steinau vorbeifahren sollte. Im Gegenteil, denn die historische Altstadt an der „Via Regia“ bietet nicht nur einzelne Baudenkmäler zur musealen Besichtigung an, sondern ein geschichtsträchtiges Ensemble, in das mein eintauchen kann.

Heimat – Nicht nur Nostalgie, sondern auch Zukunftserwartung

Die Zusatzbezeichnung „an der Straße“, bedeutet nicht, dass man an Steinau vorbeifahren sollte. Im Gegenteil, denn die historische Altstadt an der „Via Regia“ bietet nicht nur einzelne Baudenkmäler zur musealen Besichtigung an, sondern ein geschichtsträchtiges Ensemble, in das mein eintauchen kann. Steinau konnte sein Stadtbild im Wesentlichen bewahren, von einzelnen Ausrutschern, wie dem Haus von Friseur Spielmann, dessen Salon jetzt im Hessenpark zu bewundern ist, mal abgesehen. Besser wäre es allerdings gewesen, es in Steinau zu belassen, denn da gehört es hin.

Vieles muss wieder mit neuem Leben gefüllt werden, Straßen und Plätze (wie der Kumpen) zum Ort für gemeinsame Feste und Umzüge, Aufführungen und Darbietungen genutzt werden. Gerade auch der Faschingsumzug, zu dem viele Menschen von nah und fern kommen, muss unbedingt auch für die zukünftigen Jahre gesichert werden. Dafür werde ich Sorge tragen. Denn Steinau braucht solche Attraktionen, die touristisch vermarktet werden können. Es braucht diese immer wieder kehrenden Highlights des Jahres aber vor allem auch, damit die Steinauer sich treffen, miteinander feiern, ihre Gemeinschaft spüren können. Dieses lebendige Miteinander macht Heimat aus.

Die Vereine als Puls der Gemeinden

Auf seine jahrhundertelange städtische Geschichte kann Steinau stolz sein. Burg, Schloss und Kirchenbauten zeugen davon - die sich im Laufe der Zeit zugesellten Gemeinden geben der Stadt ihr Gewicht.

In der Altstadt lebte man dicht zusammen. Die Enge förderte aber auch die interne Kommunikation; sie bot ihren Bürgern schon immer einen natürlichen, öffentlichen Raum, um miteinander zu reden, sich zu bereden, zu beraten, zu helfen. Aus diesem fast selbstverständlichen Miteinander sind die Vereine gewachsen, die als bürgerliche Zusammenschlüsse seit jeher bestimmte Ziele verfolgen. Vereine kümmerten sich schon immer um das, was der Staat nicht schaffen konnte.

Mit über 100 Vereinen besitzt Steinau einen reichen Nährboden für Gemeinschaft. In ihnen werden auf vielfältige Art Traditionen und Interessen gepflegt, Hilfe bei Unfällen und Katastrophen garantiert, musische, sportliche, handwerkliche oder brauchtumserhaltende Freizeitaktivitäten organisiert. Bürger investieren hier unentgeltlich ihre Freizeit, ihr Wissen, ihr Können, ihre Kraft für eine gemeinsame Sache und zeigen damit ein hohes Maß von bürgerschaftlichem Engagement.

Die Vereine von Steinau sind ein Garant, für das Funktionieren der Stadtgesellschaft. Das hat man mit der Gründung der ARGE schon längst begriffen. Diese Vereinskultur künftig noch aktiver zu fördern, ist mir wichtig. Hierfür sehe ich neue, vielfältige Möglichkeiten, die projektorientiert oder auch institutionsorientiert von mir organisiert werden müssen. Heimat ist da, wo das Herz zu Hause ist. Der Pulsschlag dieses Herzens sind die lebendigen Vereine.

Von der Dienstleistungskommune zur politischen Partizipation der Bürger

Längst haben sich die Bedürfnisse der Bürger über die Vorstellung einer alten Ordnungskommune hinaus entwickelt. Dabei ist es selbstverständlich, dass die ursprünglichen Aufgaben der Beachtung von Recht und Gesetzen, der Garantie von Rechtstaatlichkeit nach wie vor gültig sind. Aber die Bürger empfinden sich heute nicht mehr als bloße Adressaten von Verfügungen und Verwaltungsakten, als pure Antragsteller und haben einen Wandel in Richtung einer Dienstleistungskommune erwirkt: sie erwarten von der Verwaltung wirtschaftliches Denken und Serviceorientierung. Das ist einerseits zu begrüßen birgt andererseits aber die Gefahr, dass sich die Bürger schnell nur noch als Konsumenten, und nicht mehr als Mitgestalter ihres Gemeinwesens empfinden. Ein Einlullen von Bürgerinteressen wäre für die Zukunftsfähigkeit allerdings fatal, zumal weil man den Bürgerinnen und Bürgern  auf Landes- und kommunaler Ebene grundsätzlich direkt-demokratische Mitwirkungsmöglichkeiten zugesteht. Längst können Bürgerinnen und Bürger durch Bürgerbegehren und Bürgerentscheide auf kommunaler Ebene direkt ihren politischen Interessen Geltung verschaffen.

Ich würde gerne die Bedürfnisse von Bürgerinnen und Bürger verstärkt in den Mittelpunkt der städtischen Politik stellen und Ihnen vermitteln, dass Ihre Mitwirkung bei der kommunalpolitischen Zielfindung und Zielerreichung nicht nur möglich, sondern erwünscht ist. Nur so können nachträgliche Diskussionen über verfehlte Politikinhalte oder deren Umsetzung bereits im Ansatz überflüssig gemacht, bzw. ausgemerzt werden.

Dies möchte ich durch einen ständigen Bürger-Dialog in Form eines Bürgerforums Steinau umsetzen. Hier sollen die Steinauer Bürger die Möglichkeit haben, Zielvorstellungen zu formulieren und miteinander zu diskutieren, Alternativen abzuwägen und sich mit einer gemeinsamen Entscheidungsfindung in den politischen Entscheidungsprozess mit einzubinden.

Ein Bürgermeister muss die organisatorischen Voraussetzungen für dieses Miteinander schaffen, er muss zuhören können, er muss Mentor und Mediator sein. Er sollte eine klare pragmatische Weitsicht besitzen, was an Zielen realistisch erreichbar ist. Und er muss die dafür notwendigen Umsetzungsstrategien, gerade auch was das Anzapfen von Förderprogrammen in Land, Bund und Europa angeht, kennen bzw. entwickeln. Ich bringe dafür eine Vielfalt von Erfahrungen mit, die ich Steinau hiermit anbiete.

Der Vorteil für die Bürger in Steinau liegt auf der Hand: sie alle bestimmen ihre Zukunft mit – alle sind Steinau!

Blick auf die Reinhardskirche in Steinau zwischen den Schlossmauern hindurch

Die Altstadt Steinaus ist der historische Nährboden, auf dem auch die moderne Stadtgesellschaft gedeihen kann.