Ich - Michael Groblewski – alter Sack oder Schatzkiste?

Vielleicht habe ich in den letzten Wochen und Monaten etwas viel Zeit von Ihnen für meine Gedanken gefordert. Aber wenn Sie wenigstens einen Teil davon gelesen haben, dann wissen Sie, dass ich sehr differenziert die Dinge beleuchte, dass ich keine schnellen (Vor-)Urteile habe, dass ich mich in Sachverhalte gründlich eindenke.

Eigentlich macht es mich sehr zufrieden, wenn man über mein Alter tuschelt.

Wie oft habe ich in Steinau dezidiert kritische Positionen bezogen, mich sehr eindeutig für konkrete Ziele aus dem Fenster gehängt. Aber die einzige Kritik, mit der ich mich immer wieder einmal konfrontiert sehe, ist dann lediglich die Infragestellung meines Alters. Damit kann ich leben.

Dennoch nehme ich auch hier noch einmal gerne und ganz konkret dazu Stellung: Nein, ich bin nicht zu alt für dieses verantwortungsvolle Amt, verbunden mit einem Sack von ungelösten Problemen.

Ich habe genau das richtige Alter, bringe zusätzlich zu den Basis-Qualifikationen meine Wissens-Autorität, Lebenserfahrung und die notwendige Gelassenheit mit, um Bürgermeister von Steinau zu werden. Zudem plane ich ohnehin nicht, in den nächsten zwölf Jahren in den Ruhestand zu gehen. Das ist unabhängig davon, ob ich weiter auf Sardinien an der Università Sassari lehren werde, oder ob ich die Ehre bekomme, in Steinau mein Wissen und meine Erfahrung zielführend für die Gemeinde auf allen Gebieten zu nutzen. Ich kann Steinau mit meinem Know-how voranbringen. Dem alten Konrad Adenauer gelang das sogar mit Deutschland, nachdem er mit 73 Jahren zum Bundeskanzler gewählt wurde und es dann 14 Jahre lang blieb.

In meinem Alter muss ich mich nicht mehr in den Mittelpunkt stellen, was mir sowieso nicht liegt. Ich muss auch keine Karriere mehr machen. Vielmehr.  kann ich mich auf die Lösung der anstehenden Probleme konzentrieren und über allen Klüngeleien und Grabenkriegen stehen. Und wir wissen doch längst, dass jemand der innovativ und kreativ denkt, jung bleibt. Im Wissenschaftsbetrieb ist die Digitalisierung längst angekommen. Als Kunsthistoriker bin ich seit Jahren im Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte, beschäftige mich mit den Möglichkeiten digitaler Datenverarbeitungsprogramme für internationale Forschungsprojekte. Ein guter Historiker ist nur dann ein guter Historiker, wenn er sich seiner eigenen Position in der Gegenwart bewusst ist, den Standpunkt definieren kann, von dem aus er die Geschichte betrachtet, wenn er am Puls der Zeit lebt, technische Innovationen nicht ablehnt, gewohnte Arbeitsweisen zu verändern nicht scheut. Und wenn ich doch gelegentlich wie ein Ochs vor dem Berge stehe, dann bin ich nicht zu eitel und borniert, um zu fragen, mir etwas erklären zu lassen, Einblicke zu verarbeiten und neue Verbindungen zu knüpfen. Flexibilität ist keine Frage des numerischen Alters! Die Fähigkeit zum Mentoring und zur Mediation ist dagegen zunächst eine Charakter-Eigenschaft, ihr Grad aber hängt von sozialer Kompetenz ab und wächst mit der Lebenserfahrung. Älter zu sein, ist also für einen, der als Bürgermeister Mentor und Mediator sein möchte, aber auch Entscheidungen umsetzen und kommunizieren können muss, eher ein Vorteil. So sehe ich mich mit 70 (gefühlt Mitte 50) genau im richtigen Alter. Und richtig praktisch ist mein Alter für Steinaus Finanzen auch noch: meine Lebenserwartung ist nach menschlichen Maßstäben deutlich kürzer, als bei allen meinen Mitbewerbern – damit werde ich am wenigsten Ruhebezüge benötigen.

Oft ist man im Wahlkampf genötigt worden, sich nur noch in Kurz-Statements oder Parolen zu äußern. Das ist etwas, was mir eigentlich zuwider ist. Ich denke, Bürger können einen nicht hinter die Stirn sehen, deswegen muss man sagen, wie man tickt und was man vorhat. Das habe ich auf meiner Homepage https://www.steinau-gestalten.de/ sowie in meiner Wahlkampfzeitschrift auch getan. In letzterer habe ich sogar meine Wahlplakat-Slogans erklärt. Der Trend, nur noch in Kurz-Statements Inhalte kommunizieren zu wollen ist fatal. Ebenso wie der Trend, nicht mehr lange Texte zu lesen (Stichwort: „TLDR“ ) Vielleicht habe ich in den letzten Wochen und Monaten etwas viel Zeit von Ihnen für meine Gedanken gefordert. Aber wenn Sie wenigstens einen Teil davon gelesen haben, dann wissen Sie, dass ich sehr differenziert die Dinge beleuchte, dass ich keine schnellen (Vor-)Urteile habe, dass ich mich in Sachverhalte gründlich eindenke.

Und dann entpuppt sich der  „alte Sack“ als Schatzkiste. ?