Landwirt und Stadtverordneter

Für mich war das Treffen mit den beiden Amends am Ende viel mehr, als nur irgendein Termin in der Vorwahlzeit. Es war ein anregendes offenes Gespräch, das mich zwei Menschen kennenlernen ließ, deren Einschätzungen zu unterschiedlichen Themen ich immer gerne in meine Überlegungen mit einbeziehen, mit denen ich gerne eine Freundschaft pflegen würde.

Der ländliche Raum umfängt Steinau

Die Brüder Grimm-Straße führt im Westen über die historische Altstadt hinaus, am Friedhof vorbei und mündet in die L 3329, die in Ahl und im Steinauer Stadtgebiet Leipziger Straße, in Niederzell Frankfurt-Leipziger Straße, in Bad Soden-Salmünster jedoch Hanauer-Landstraße und in Schlüchtern Hanauer Straße heißt. In den variierenden Straßenbenennungen ist der historische Bezug des oberen Kinzigtals und seiner Ortschaften zu Hanau genauso ablesbar, wie ihre wirtschafts-geographische Lage zwischen Frankfurt und Leipzig. Aber das ist heute nicht mein Thema, sondern der Besuch des am Ende der Brüder Grimm-Straße liegenden Hainfelder Hofs von Frank Amend, der mir die Gelegenheit bot, einen modernen Steinauer Landwirt und seine Frau kennenzulernen, mit ihnen über die Perspektiven der Landwirtschaft, des ländlichen Raums zu reden und als Bürgermeister Kandidat über das Verhältnis von Steinau selbst zu dem die Stadt umgebenden ländlichen Raum mit seinen verstreuten Stadtteilgemeinden nachzudenken.

Der Hainfelder Hof - Tradition trifft Innovation

Vor Ort im Hainfelder Hof löst sich schnell der politisch gern funktionalisierte Gegensatz von Fortschritt und Tradition, von Veränderungsbereitschaft und Bewahrung, von Ökonomisierung und Ökologie auf. Man sieht einen nahezu vollständig automatisierten Stall und nimmt gleichzeitig die um das Tierwohl besorgte Haltung eines Landwirts wahr, der auch die Felder nicht nur traditionell bewirtschaftet, sondern Empfehlungen des Naturschutzbundes berücksichtigt und einen Teil seiner Einnahmen aus der Züchtung und dem Anbau alter Getreidesorten erzielt. Entscheidend aber ist, dass sich dieser Landwirt eben auch intelligent politisch engagiert, seit Jahren Stadtverordneter ist und mit klarem Blick sich jenseits der klassischen politischen Parteien in einer auf die Stadt und ihre Projekte bezogenen Fraktion mit dem bezeichnenden Namen „Bürger gestalten mit“ positioniert. Diese Bereitschaft, sich an der Gestaltung der Zukunft Steinaus aktiv zu beteiligen ist mehr als persönliche Interessenvertretung. In meinen Augen äußert sich darin ein politischer Partizipationswille, der auch Verantwortung übernimmt. Frank Amend ist ein selbstbewusster Landwirt, der sich seiner wichtigen gesellschaftlichen Rolle längst vergewissert hat. Er ist nicht ein Bauer früherer Generationen, der in der Abgeschiedenheit seines Dorfes einen engen Fokus auf seine kleine bäuerliche, weitgehend von der Natur bestimmten Welt hatte und von dem Weltgeschehen nicht viel mitbekam. Er verfügt über eine Weitsicht, über die es Spaß macht, sich mit ihm zu unterhalten.

Die Distanz von Stadt und Land muss überwunden werden

Von mir als Bürgermeister-Kandidat konnte man erwarten, dass ich auch bei Themen zuhöre, die man nicht im Zentrum meines persönlichen Interesses vermutet, nicht aber, dass ich meine Gesprächspartner mit meinem Projekt, der Land- und Forstwirtschaft in Steinau einen institutionellen Ort zu geben, erstaunen ließ, bevor ich Ihnen erklären konnte, dass ich als Universitätsprofessor seit Jahrzehnten mit Studierenden der Architektur und der Urbanistik arbeite und mir die Probleme und Lösungsstrategien auch der Raumplanung außerhalb der eigentlichen Städte durchaus vertraut sind und ich mich nicht nur in die idyllischen oder heroischen Bilder der Landschaftmalerei hineinträume.

Um die geographische Distanz zwischen Stadt und Land, zwischen der Stadt und den Stadtteilgemeinden überwinden, braucht es trotz aller hochmodernen, digitalen Kommunikationsnetze- und plattformen den Menschen,  Persönlichkeiten, die erst durch ihre Präsenz Nähe erlebbar machen. So banal es erscheint: Der Weg vom Zentrum zur Peripherie ist genauso weit wie der von der Peripherie zum Zentrum. In einer Demokratie muss dieser Weg in beide Richtungen gegangen werden, vom Bürger, aber eben gerade auch von einem Bürgermeister.

Ohne ihre individuellen Meinungen geht es nicht!

Für mich war das Treffen mit den beiden Amends am Ende viel mehr, als nur irgendein Termin in der Vorwahlzeit. Es war ein anregendes offenes Gespräch, das mich zwei Menschen kennenlernen ließ, deren Einschätzungen zu unterschiedlichen Themen ich immer gerne in meine Überlegungen mit einbeziehen, mit denen ich gerne eine Freundschaft pflegen würde.

Und so empfinde ich es wiederum als ein großes Privileg, dass ich als Bürgermeisterkandidat viele Gespräche mit sehr unterschiedlichen Personen führen darf. Alle eröffnen mir für einen kurzen Moment, ohne zu zögern, ihre Gedanken- und Lebenswelt, jeweils einen individuellen Erfahrungsschatz, aus dem ich als Mensch nur profitieren kann.

Michael Groblewski schaut über die schöne Natur von Steinau an der Straße

Der Hainfelder Hof wird mit Weitblick geführt und verbindet Traditionsbewusstsein mit moderner Landwirtschaft