Lieblingsorte in Steinau an der Straße

29. Februar 2020, Weltgästeführertag - Eine spezielle Stadtführung unserer Gästeführer

Was sind Lieblingsorte? Es sind Orte, die wir mit persönlichen Erlebnissen, mit Glücksgefühlen, mit kindlich-spielerischem Entdecken der Welt, mit Gruseln, das sich in Erleichterung und Lachen auflöst, mit wichtigen Entscheidungen und Wendepunkten im Leben, mit nostalgischen Erinnerungen, mit Träumen verbinden.

Diese sehr individuellen Orte sind nicht unbedingt die allgemeinen Highlights einer Stadtführung. Denn sie sind nicht zwangsläufig zugleich die repräsentativen, mit monumentalen, historischen Bauten ausgestalteten Orte. Wir alle haben solche Lieblingsorte, und so wartete eine große Gruppe von Steinauer Bürgern und Gästen gespannt, an welche Ecken sie von den Kennern der Stadt mit welchen Geschichten geführt werden würden.

Eine Führung mit überraschenden Einblicken

Wir starteten mit dem schartigen Gewände des Nebeneingangs der Katharinenkirche, versammelten uns anschließend am alten evangelischen Pfarrhaus, umrundeten die Reinhardskirche, um über eine verwinkelte Gasse an die alte Stadtmauer und die davor liegenden kleinen Nutzgärten der früher offensichtlich ärmeren Stadtbewohner zu kommen. Wir blieben am Schweinebrunnen stehen, wanderten erneut zur Stadtmauer hinunter und gelangten schließlich in einen großzügigen Privatgarten mit Zugang zu einem von den „Mauerspechten“ restaurierten Wachtturm. Nachdem viele dessen überdachter Plattform erklettert hatten, spazierten wir am Mühlbach entlang, mit Blick auf den Emmerich und betraten die Stadt wieder an der Stelle, an der in früheren Jahrhunderten das Fehlverhalten von Bürgern durch Tunken in die Kinzig sanktioniert wurde, wovon noch heute ein großer Metallkäfig zeugt. Schließlich endete unser mehrstündiger Rundgang am ehemaligen Erholungsheim, das zeitweilig Lazarett war und heute eine Kindertagesstätte beherbergt, deren Anbau aktuell kontrovers diskutiert wird.

Kindheitserinnerungen und Phantasiewelten in Steinau

Bedauerlicherweise kann ich hier nicht detailliert auf die Kommentare der einzelnen Gästeführer eingehen. Aber mein wichtigster, persönlicher Eindruck war: diese Führung war für alle abseits der üblichen Touristen-Route ein fesselnder Erlebnis-Parcour, mit vielen neuen (Ein-)Blicken auf die Stadt. Nicht allein die witzigen Anekdoten und historischen Informationen haben einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Es waren vor allem die vielfältig erzählten persönlichen Kindheitserinnerungen in den Erklärungen, die in einem selbst eigene Phantasiewelten wiederaufleben ließen.

Bei mir prägte sich diese Stadtführung als ein nachhaltiges Erleben von Stadtgeschichte, als eine intensive soziale Kommunikation ein.

Und wieder einmal im Leben wurde mir der Zusammenhang verdeutlicht zwischen der politischen Historie und der Alltagsgeschichte. Gerade als Bürgermeister muss man diesbezüglich mit großer Sorgfalt eine Folgenabschätzung des eigenen politischen Handelns behutsam und respektvoll im Blick behalten.

Zu sehen ist Michael Groblewski, der von einem Aussichtsturm aus lächelnd über die Stadt Steinau blickt.

Mit Blick über die Dächer lässt es sich noch einmal mit Nachdruck sagen: Steinau ist eine schöne Stadt!