Spiel-Gemeinschaft

Konkurrenz bei gegenseitigem Respekt und Leistung sind die Grundgedanken des sportlichen Sich-Messens.

Handball, präziser gesagt: Hallen-Handball, ist ein populärer Breitensport, der viele Fans gerade auch in Hessen findet. Nicht wenige Vereine können sich dennoch keine eigene Halle leisten, sind darauf angewiesen, dass sie schulische oder kommunale Sporthallen zeitweise für Training und Spiele nutzen dürfen. Das gilt auch für die Traditionsvereine von Steinau und Schlüchtern, die sich 2008 in der Spielgemeinschaft HSG Kinzigtal zusammenschlossen. Sie trainieren und spielen in der Halle am Steines und starten derzeit mit dem neuen Trainer Jens Bagus ein umfassendes Zukunftsprojekt. Das will ich jedoch nicht weiter kommentieren, sondern das Gespräch mit dem Vorsitzenden der HSG Kinzigtal, Stefan Heil, und dem Vorsitzenden des Fördervereins, Dieter Grauel, zum Anlass nehmen, das Thema „Spielgemeinschaft“ zu reflektieren. Wie entsteht der Gedanke zur Gründung einer Spielgemeinschaft, welcher tiefere Sinn verbirgt sich in diesem Begriff , kann man sich Spielgemeinschaften jenseits des Sports vorstellen?

Konkurrenz bei gegenseitigem Respekt und Leistung sind die Grundgedanken des sportlichen Sich-Messens. Den Mannschaftssport zeichnet darüber hinaus die innere Stärke eines sozialen Zusammenspiels aus. Nicht zuletzt ist Handball deshalb bis heute eine der wichtigsten Schulsportarten. Auch in meinem Gedächtnis hat sich das Handball-Spielen in meiner Dortmunder Schulzeit vor allem auch durch die Turniere der Schulmannschaften tief eingeprägt. Die Endspiele zwischen meiner Schule, dem Stadt-Gymnasium mit seinem humanistischen Profil, und dem Max-Planck-Gymnasium mit seiner naturwissenschaftlichen Ausrichtung besaßen die Signifikanz eines übergeordneten Rankings, durchaus vergleichbar mit den alljährlichen Ruder-Regatten zwischen Cambridge und Oxford.

Vereine als Träger des Sports sind Interessens-Verbünde. Im gesellschaftlichen System entfalten sie ihre Wirkung von einer Position zwischen der kleinsten sozialen Einheit der Familie und der kleinsten politisch relevanten Einheit der Kommune. Was passiert also, wenn sie auf Grund ökonomischer Zwänge ihre traditionelle Bindung an den Heimatort aufgeben oder zumindest stark relativieren? Ist das mehr als ein spielerischer Versuch, mehr als eine Übergangslösung, um überhaupt erst einmal zu überleben? Auch wenn sich der ersehnte sportliche Aufstieg noch nicht eingestellt hat, so sehen Stefan Heil und Dieter Grauel im Wagnis der Fusion ein Erfolgsmodell, das die Existenz des sportlichen Angebots vor Ort gesichert hat.

Sieg oder Niederlage haben im Sport in der Regel keine nachhaltigen Konsequenzen, sondern werden spielerisch relativiert. Eine daraus abgeleitete Spieltheorie des ,try and error kann man vielleicht noch dem unternehmerischen Agieren in der Wirtschaft unterstellen. Das auf die gesellschaftliche Verantwortlichkeit politischen Handelns übertragen zu wollen, wäre allerdings fatal und würde jegliches Ringen um einen demokratischen Kompromiss lächerlich erscheinen lassen. Leicht modifiziert als Kooperation taugt das Modell der Spielgemeinschaft dennoch auch dort und bietet sich ganz konkret zur Lösung der Probleme kleinerer Städte in der Region an: Konkurrenz zumindest in einigen existenziellen Bereichen durch Kooperation zu ersetzen, ein partnerschaftliches Verhältnis zu pflegen und ,Win-Win‘-Situationen zu kreieren, bedeutet keineswegs, den Verlust kultureller Identität zu riskieren; im Gegenteil: Auf einer übergeordneten Ebene führt eine Allianz fast immer zu einer Stärkung des politischen Einflusses der Städte. Als Bürgermeister würde ich jedenfalls dafür werben, die fahrlässig aufgegebene Kooperation zwischen Steinau, Schlüchtern, Sinntal und Bad Soden-Salmünster wieder zum Leben zu erwecken, um das obere Kinzigtal mit rund 50.000 Einwohnern zu einem veritablen Oberzentrum zu entwickeln.

Gemeinsam sind wir stark – im Sport wie im wirklichen Leben!