Tante-Emma-Laden 2.0 – eine Lösung für Steinaus Stadteile?

Ein Dorfladen, liebevoll auch als Tante-Emma-Laden bezeichnet, war für Dörfer, Kleinstädte, aber auch für periphere Quartiere von Großstädten nicht nur unverzichtbare Nahversorgung und Garant einer minimalen Autarkie, sondern v.a. eine soziale Anlaufstelle.

Ein Dorfladen, liebevoll auch als Tante-Emma-Laden bezeichnet, war für Dörfer, Kleinstädte, aber auch für periphere Quartiere von Großstädten nicht nur unverzichtbare Nahversorgung und Garant einer minimalen Autarkie, sondern v.a. eine soziale Anlaufstelle.

Die sprichwörtliche Tante Emma, die als Synonym für eine meist ältere, aber tatkräftige Ladenbesitzerin steht, sorgte für Vieles. Es gab in ihrem Laden nicht nur alle Grundnahrungsmittel sondern auch einige Haushaltswaren und Zeitschriften und darüber hinaus jede Menge Informationen und persönliche Kontaktmöglichkeiten. Das Lebensmittelangebot war in der Regel klein und überschaubar, aber es reichte aus, um die akuten Bedürfnisse durch einen schnellen Gang nach nebenan zu decken.

Diese kleinen Gemischtwaren-Läden waren wichtig für den Zusammenhalt der (Dorf-)Gemeinschaft und hielten sich lange Zeit trotz der zunehmenden Konkurrenz gefräßiger Supermärkte und Lebensmittelkonzerne.

Nun geben die letzten kleinen Gemischtwarenläden auf, weil sie zu wenig Gewinn abwerfen und sich kein Nachwuchs mehr dafür finden lässt. So jetzt auch in Ulmbach. Es sind echte Tränen, und nicht nur Krokodilstränen, die deswegen von den Ulmbachern vergossen werden und eine kurze Recherche des Problems zeigt, dass man in der Wirtschaft längst die Bedeutung dieser Marktnische zur Kenntnis genommen hat und Ersatzlösungen anbietet, den Tante-Emma-Laden 2.0 .

Völlig durchdigitalisiert erleben sie eine Renaissance. Sie könnten auch eine Lösung für Steinaus Stadtteilgemeinden sein. Natürlich fehlt diesen Läden die echte Tante Emma, aber sie sind rentabel und bieten sogar ein breiteres, frischeres und preislich attraktiveres Warenangebot. Die digitalen Instrumente waren schon längst für die großen Supermärkte entwickelt worden – ich kenne den digitalen Lebensmitteleinkauf seit vielen Jahren von den Supermercati und Ipermercati in den italienischen Metropolen, aber auch aus Paris und London. Neu und zukunftsweisend sind jedoch die kleinen Formate, die die soziale Rolle der Lebensmittelläden in den Blick nehmen und darüber hinaus auf das schier unbegrenzte Wachstum des Online-Einkaufs mit einem stationären Angebot vor Ort reagieren.

Einen solchen Dorfladen 2.0, der auch für Steinaus Stadtteilgemeinden interessant sein könnte, betreibt erfolgreich ein junger Unternehmer in Altengottern im Nachbarland Thüringen. Rund um die Uhr bietet er ein Sortiment von 1200 verschiedenen Produkten; ein lokaler Bäcker und ein Fleischer ergänzen neben Obst und Gemüse das Frische-Sortiment. Abgerundet wird das Angebot mit einer Paketstation, einem kostenfreien WLAN-Hotspot, einer E-Auto-Ladesäule und einer kleine Kaffee-Ecke.

Die Personalkosten beschränken sich auf eine Kraft, die täglich kurz nach dem Rechten schaut und saubermacht. Das ist die moderne „Emma“, die als gute Seele des „Mini-Supermarktes“ auch alle paar Tage die Regale auffüllt und der menschliche Ansprechpartner ist. Alles andere, wie der eigenständige Kundeneinkauf, die Selfscan-Kassen, die Diebstahlsüberwachung, die Aktualisierung des Lagerbestandes, Kalkulation, Auspreisung etc., ist vollständig digitalisiert. Den Zutritt erlaubt eine Kundenkarte, für die man sich einmalig im Vorfeld online registriert. Das Experiment in Altengottern funktioniert sehr gut und ist gut frequentiert. Wohl auch deswegen, weil er ebenso wie ein alter Tante-Emma-Laden die Funktion eines sozialen Informations- und Treffpunktes integriert.

Aber man braucht gar nicht bis ins nächste Nachbarland zu sehen, auch nebenan in Fulda wird nächste Woche von tegut teo, eine Test-Lebensmittelladen im Miniformat eröffnet. Nicht größer als ein Wohnzimmer, entfernt an einen Bauwagen erinnernd, aber komplett digitalisiert und rund um die Uhr geöffnet soll „teo“ die entstandene Lücke in der regionalen Lebensmittelversorgung füllen.

Die soeben erschienene Pressemeldung klingt interessant. Ich werde für Steinau bei der Eröffnung dabei sein und mich vor Ort bei den zuständigen Managern informieren - und natürlich darüber berichten.

Wir werden in Steinau für unsere Zukunft alle Chancen nutzen.