Wirtschaftlich planen!

In einer Zeit finanziell notleidender kommunaler Kassen gibt all das meines Erachtens hinreichend Anlass, über die Zielperspektive des Projekts neu nachzudenken.

Ein historischer Marstall ist nicht vergleichbar mit einem heutigen Pferdestall, sondern ein architektonisch repräsentativer Teil eines Schloss-Komplexes. Das gilt auch für den aus dem 16. Jahrhundert stammenden Marstall in Steinau, der nach der Teilsanierung im vorderen, am Kumpen gelegenen Teil, erst das Marionetten-Theater "Die Holzköppe“ beherbergte, dann aber seit 2017 als „Theatrium“ unter der Leitung von Detlef Heinichen und Ella Späte zu einem kleinen Theater programmatisch weiterentwickelt wurde. 2016/17 wollte man die sich bietende Gelegenheit einer beträchtlichen Summe von Fördergeldern für eine Sanierung und weiteren Ausbau des Marstalls nutzen und wie bereits in vielen anderen Fällen praktiziert einer neuen Nutzung zumeist im Kultur- oder Verwaltungsbereich zuführen (wie z.B. in Darmstadt und in Hanau). Das zu Grunde gelegte Raumprogramm orientierte sich dementsprechend an den für die Fördergelder vorgegebenen Zweck, kam aber zugleich den damaligen Zukunftsvisionen einer personell deutlich erweiterten Kommunalverwaltung entgegen. Das Aus- und Umbauprojekt sieht daher Büroräume im 1. OG ein Treppenhaus mit Aufzug und ein Veranstaltungssaal mit Küche, Garderobe und Toiletten vor, ohne dass deren interne Nutzung konkret festgelegt wurde.

So weit so gut. Mittlerweile allerdings teilt das Marstall-Projekt das Schicksal vieler Bauprojekte der Öffentlichen Hand und produziert eine Kostenexplosion nach der anderen. Das ist einerseits strukturell durch das vorgegebene Ausschreibungsverfahren angelegt, das sowohl zu unrealistisch niedrigen Kostenschätzungen seitens der Bauherren führte, als auch  deutlich zu niedrige Angebote seitens der planenden Architekten und der ausführenden Firmen provozierte. Andererseits ist die Kostenexplosion aber auch einer fahrlässig inkompetenten Kontrolle der laufenden Kosten geschuldet.

In einer Zeit finanziell notleidender kommunaler Kassen gibt all das meines Erachtens hinreichend Anlass, über die Zielperspektive des Projekts neu nachzudenken. Dabei muss der Marstall als wichtiger integrativer Bestandteil eines Masterplans zur Verlebendigung der gesamten Innenstadt/Altstadt Steinaus bewertet werden, seine Nutzung sich einer neuen Wirtschaftlichkeits-Prüfung stellen und vor allem als Nutzungspotenzial denjenigen angeboten werden, die die Zukunft der Stadt verkörpern: z.B. jungen innovativen Gründern. Das wäre zumindest ohne neue Umbauten und vor allem ohne weitere Kosten realisierbar. Spielt man einmal konkret durch, was eine private Nutzung der in insgesamt 6 Büros aufgeteilten neuen Flächen bringen würde, wenn man im Schnitt pro Büro 800,- Euro monatlich ansetzt, so sieht man, dass in weniger als 10 Jahren die gesamten Mehrkosten des Sanierungsprojekts erwirtschaftet werden können. Für das Burgmannenhaus sollte in diesem Zusammenhang ein neuer Pachtvertrag geschlossen werden, der die Attraktivität des historischen Gasthauses nicht nur durch die unverzichtbare Abend-Öffnung, sondern auch zusammen mit dem „Theatrium“ durch andere kreative Angebote deutlich erhöht.

Selbstverständlich würde dieses neue, in die Zukunft weisende Nutzungskonzept nicht nur eine weitere konkrete Ausarbeitung der hier nur kurz skizzierten Ideen erfordern, sondern auch lösungsorientierte Gespräche mit den für die Bewilligung der Fördergelder Verantwortlichen, wie auch mit den zuständigen Banken.  Die Auswirkungen der aktuellen Corona-Krise legitimiert nicht nur ein Umdenken, sondern motiviert geradezu, eine anderen Standpunkt einzunehmen, eine neue Perspektive zu generieren, die aktuellen Erfordernisse zu reflektieren. Mehr denn je müssen die städtischen Investitionen wirtschaftlich verantwortbar und zukunftsträchtig sein. Augenblicklich sind sie es nicht.