Wissen erwerben – Wissen vermitteln – Persönlichkeit bilden

In diesem Sinn bin ich als Universitäts-Professor, auch ohne Parteibuch und Sitz im Parlament ein Berufspolitiker in leitender Stellung und nur unserer demokratischen Verfassung und meinem Gewissen gegenüber verpflichtet. Und nicht zuletzt deswegen ist es legitim, wenn ich feststelle, dass in meinem Falle Politik gelebte Kunstgeschichte ist.

Kompetenz: nur eine politische Worthülse oder doch eine nachweisbare Qualifikation

Niemand, der sich um ein politisches Amt und/oder Führungsposition bewirbt, wird sich dafür als inkompetent bekennen – damit reiht sich die Behauptung schlichter Kompetenz ein in die Reihe politischer Slogans und Worthülsen, die sich auch trotz gebetsmühlenhaftes, ständiges Wiederholen nicht mit Inhalt füllen lassen. Nimmt man nur diese wahr, so gibt es ausschließlich Macher, die etwas bewegen , Missstände beseitigen  und die Zustände bessern wollen. Schon die Aufzählung dieser wenigen Parolen hinterlässt beim Leser/Wähler nur ein Gefühl der Leere und der Unzufriedenheit. Diese „Woller“ heften sich Kompetenz und Machertum an die Brust; sie würden kaum darüber lächeln, würde man ihnen das T-Shirt mit der Aufschrift „Hier arbeitet ein Profi“ überziehen.

Nur auf den ersten Blick ähneln vielleicht meine Versprechen denen meiner Mitkonkurrenten, – wir alle wollen machen, wollen beseitigen, wollen verbessern. Es kommt aber darauf an wie man den Willen in die Tat umsetzt, und darauf, wem man zutraut, dass er es auch kann und die Kompetenz dafür besitzt.

Unter Kompetenz versteht man üblicherweise die Fähigkeit und Fertigkeit, eine Aufgabe, ein Problem zu lösen. Eine „General-Kompetenz“ findet sich niemals in einer einzelnen Person. Aber auch die jeweilige individuelle partielle Kompetenz muss man sich erst erwerben. Um ein umfängliches Wissen und Know-how über Jahre aufzubauen, braucht man charakterliche Voraussetzungen, Eigenschaften wie Interesse, Hingabe, Mut und Durchhaltevermögen,. Diese Kompetenzen habe ich mir als Geisteswissenschaftler, als Kunsthistoriker und Universitäts-Professor nachweislich erworben und zusammen damit auch eine Reihe anderer Kompetenzen wie Menschenführung, Arbeitsorganisation, Mentoring und Moderation. Da ich nun schon häufiger gefragt wurde, was man eigentlich für eine Berufung zum Universitäts-Professor vorweisen muss, gebe ich hier gern anhand meines akademischen Werdegangs einen Einblick, auch wenn sich die Karrieren und Berufungsverfahren im Laufe der Zeit zusammen mit dem Selbstverständnis der Universitäten quantitativ und qualitativ verändert haben.

Wissen erwerben – Wissen vermitteln – Persönlichkeit bilden

Mit dem Abitur (zu meiner Zeit ausschließlich mit dem Abitur) wurde einem die Hochschulreife attestiert, durfte man sich für ein Studium an der Universität einschreiben, hatte in der Regel 5 bis 6 Jahre vor sich, um sich in einem Fachgebiet durch einen Studienabschluss zu beweisen. In den Geisteswissenschaften verlängerte sich der Zeitraum vor einer möglichen professionellen Tätigkeit um mindestens weitere 3 Jahre, weil man das Studium nur mit der Promotion zum Dr. phil. erfolgreich abschließen konnte. Somit war ich, als ich das Ziel mit 25 Jahren erreichte hatte, ein extrem junger Wissenschaftler. Das eigene Leben in die Hand nehmen, studieren im Sinne des Wortes als selbständiges, interessegesteuertes aktives Lernen wurde mir zur Profession, zur Leidenschaft, weswegen ich meine ersten beruflichen Tätigkeiten im Museum und in der Denkmalpflege in ihrer inhaltlichen und administrativen Begrenzung als ziemliche Ernüchterung empfand. Es gab nur einen Weg hinaus aus der Enge, man musste sich wissenschaftlich weiter qualifizieren, bereit sein zum lebenslangen Lernen, zum weitgehenden Verzicht auf Sesshaftigkeit. Da ich schon im Studium den Studienortwechsel immer als Bereicherung verstanden habe und nicht als Unbequemlichkeit, für die Vorbereitung meiner Dissertation längere Zeiträume in Italien verbracht und in italienischen Bibliotheken und Archiven geforscht hatte, mich die gigantischen Wissensräume der Forschungsinstitutionen nicht abschreckten, sondern faszinierten, war für mich die Aufgabe eines warmen, gut bezahlten Sessels, die gesellschaftliche Reputation eines Diözesan-Konservators kein Opfer, sondern eine Befreiung. Forschungsstipendien der Max-Planck-Gesellschaft und der DGF ermöglichten mir, die grundlegenden Studien in den römischen Archiven für meine Habilitationsschrift Thron und Altar – Der Wiederaufbau der Basilika St. Paul vor den Mauern (1823-1854), Forschungen zur europäischen Geistesgeschichte, Band 2, Freiburg, Basel, Wien 2001, die Hochschulassistenz an der TU-Darmstadt neben der Lehrerfahrung die Zeit zur Auswertung meiner Recherchen und zur schriftlichen Fassung meiner Erkenntnisse. Anfang 1989 hielt ich endlich meine Habilitations-Urkunde, den Nachweis meiner Kompetenz in universitärer Lehre und Forschung zusammen mit der Ernennung zum Privat-Dozenten in der Hand.

Dann muss man Förderer und Gutachter im Kreis der arrivierten Kollegen*innen finden, Kommissionen überzeugen und am Ende noch Glück haben! Denn verbeamteter Universitäts-Professor wird man in Deutschland nicht automatisch: man muss sich bewerben, sich der Konkurrenz (und den Intrigen) stellen, um einen Platz auf der Berufungsliste zu ergattern und um schließlich berufen zu werden. Da die Berufung durch das Ministerium erfolgt ist das Ganze am Ende eine politische Wahl-Entscheidung und unterliegt insofern neben der akademischen Bewertung der wissenschaftlichen Qualifikation auch der politischen Einflussnahme. Entgegen der Behauptung interessierter Akteure ist diese Einflussnahme mit den verschiedenen Reformen nach 1968 nicht geringer geworden.

Diesen langen Weg übersteht man nur, wenn man die eingangs genannten Charaktereigenschaften mitbringt und für sein Fach brennt, es, in meinem Fall die Kunstgeschichte, nicht verwaltet, sondern lebt. Man vermittelt als Universitäts-Professor nicht nur Wissen, sondern auch seine Erfahrung im Umgang mit den Phänomenen seiner Wissenschaft, modellhaft anschaulich in seiner eigenen Bildung, seiner eigenen Persönlichkeit; denn jenseits der Vermittlung von bereits bestehendem, anerkannten Wissen geht es in der Lehre um Persönlichkeitsbildung junger Menschen, die Vermittlung sozialer Werte wie Verantwortlichkeit, die politische Hinterfragung des eigenen Handelns, die Ermutigung zu kritischem Bewusstsein, Geschäftsfähigkeit, schlicht um menschliche Kompetenz.

In diesem Sinn bin ich als Universitäts-Professor, auch ohne Parteibuch und Sitz im Parlament ein Berufspolitiker in leitender Stellung und nur unserer demokratischen Verfassung und meinem Gewissen gegenüber verpflichtet. Und nicht zuletzt deswegen ist es legitim, wenn ich feststelle, dass in meinem Falle Politik gelebte Kunstgeschichte ist.

Meine Kompetenz für das Amt Ihres Bürgermeister habe ich in vielen Statements, Reflexionen und Agenden dargestellt, den größeren Teil davon können Sie in meinem Wikipedia-Artikel ( https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Groblewski ) auf meiner home-page   ( https://www.steinau-gestalten.de/ ) oder auch in meiner Wahlzeitung nachlesen. Es geht in Steinau, wie Sie alle wissen, nicht um reine „Vermögens-Verwaltung“ – das hätte mich nicht gereizt - sondern um einen existenziellen Zukunftsentwurf der an Fläche ausgedehnten, nach der Zahl der Einwohner und der angesiedelten Institutionen kleinen, in seinem kulturellen Wert und menschlichem Potential jedoch unterschätzten Stadt. Als Bewerber für das Amt des Bürgermeisters dieses Juwels trete ich an, mit den Bürger*innen eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln, Freude und Wohlbefinden zurückzuholen, an Zahl und Bedeutung wieder zu wachsen, die kommunale Souveränität zu verteidigen und beherzt die eigene Zukunft zu gestalten. Es liegt bei Ihnen, ob Sie mir das zu trauen, Ihnen meine Kompetenz dazu genügt und mich mit Ihrer Stimme wählen.